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Möbeltrend Shabby Chic

« Wir erklären das neue Vintage »

Klare Linien und Formen sowie kühle Farben dominieren den aktuellen Wohntrend. Doch es gibt eine Gegenbewegung: Es sind antike, aufgearbeitete und auf gebraucht getrimmte Möbel, die Einzug in Wohnräume halten. Sie erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten, bauen einen Spannungsbogen zwischen Alt und Neu auf und setzen Akzente. Die Rede ist dabei immer öfter vom Shabby Chic. Wir erklären, was es mit diesem Möbeltrend auf sich hat und warum er so beliebt ist.

Großbritannien als Wiege des Shabby Chic

Seine Wurzeln hat Shabby Chic im Vereinigten Königreich. Dort ist er in den 1980er Jahren als eine nicht kommerzielle Gegenbewegung zu den Vorlieben der oberen Mittelklasse entstanden. Es war eine Art Protest gegen die kostspielige Innenausstattung im viktorianischen Stil. Von England aus schwappte der Trend unter britischer Federführung in die Vereinigten Staaten über. Es war die englische Stylistin Rachel Ashwell, die in Santa Monica in Kalifornien einen Laden eröffnete, in dem sie auf Flohmärkten erworbene Möbel verkaufte. Heute ist die Trendsetterin an zahlreichen Labels beteiligt, die der Firma Shabby Chic Brand LCC in Culver City in Kalifornien gehören.

„Jagdreviere“

Shabby Chic Möbel grenzen sich bewusst und deutlich von modernen, flächigen, geradlinigen und meist auf Hochglanz getrimmten Stücken ab. Dabei können sie ganz unterschiedlichen Ursprungs sein. Manchmal lohnt sich auch ein Blick auf den Dachboden oder in den Keller von Eltern und Großeltern. Dort finden sich wahre Schätze aus massivem Holz, die dank einer Aufarbeitung den passenden Look erhalten. Oft sind es Erbstücke mit natürlichen Abnutzungs- und Gebrauchsspuren. Abgeblätterte Farben und Kratzer sind gewünscht und ein deutlich sichtbares Zeichen für ein Möbelstück mit Geschichte.

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Auch Antikes vom Trödel kann im Do-it-yourself-Verfahren auf den richtigen Style getrimmt werden. Das gilt ebenso für Mobiliar im Landhausstil, aus denen mit ein bisschen Zeitaufwand und Geschick originelle Trendmöbel werden.

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Wer keine gebrauchten Gegenstände verwenden möchte, muss auf den Look nicht verzichten. Einige Hersteller produzieren neue Möbel in dem Stil, bei denen bevorzugt natürliche Materialien verwendet werden. Dann werden die Gebrauchsspuren künstlich herbeigeführt. Abgeplatzter Lack, scheinbar unbearbeitetes und grobes Holz, zahlreiche Kratzer und Schrammen sowie sichtbare Schichten mehrerer Lackierungen weisen neue Möbel als Shabby Chic aus. Eine gute Adresse dafür sind neben Trödelmärkten, Flohmärkten, Dachböden und Kellern auch Händler, die antike Möbel oder Einrichtungsgegenstände im Landhausstil anbieten.

Typisch Shabby Style

Möbel und Wohnaccessoires im Shabby Chic bedeuten wohnen mit Schönheitsfehlern. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie vom Dachboden, aus dem Keller von Eltern und Großeltern, aus der Do-it-yourself-Werkstatt oder aus industrieller Produktion stammen oder bei einem Fachhändler erworben wurden. Dekorationen und Wohnaccessoires im Used-Look können ebenso in einem Geschäft mit Möbeln im Landhausstil oder einem Laden für Antikes, auf dem Flohmarkt oder Trödelmarkt oder erworben werden.

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Typisch für den Stil sind zarte und überwiegend matte Farben. Gebrauchte Textilien sind meist aus hochwertigen Baumwollstoffen, aus groben Leinenstoffen und anderen Naturmaterialien gefertigt. Die Muster reichen von einfarbigen Stoffstrukturen bis zu romantischen Blumenmustern.

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Oftmals spiegeln Wohnaccessoires auch nostalgische Komponenten des Rokoko oder des Neobarocks wider. Getreu dem Motto „erlaubt ist, was gefällt“ sind hier der Phantasie und Kreativität des Einzelnen keine Grenzen gesetzt, sodass auch individuelle Eigenkreationen zum Shabby Chic passen.

Farben, Muster, Stoffe und Materialien – aber vor allem Patina

Wichtig sind die stylischen Rahmenbedingungen, die antike Möbel, Mobiliar im Landhausstil oder industrielle Stücke sowie Wohnaccessoires den typischen Look verleihen. Es ist vor allem die Farbe Weiß, die den Shabby Style dominiert und die sich mit Creme- und Beigetönen an den Wänden und pastellfarbenen Wohnaccessoires mischt. Pastellfarbene Stoffe in einem zarten Rosa, einem weichen Gelb und einem hellen Grün, Türkis, Blau oder Lila zieren die Fenster oder die Bezugsstoffe von Sitzmöbeln. Nur vereinzelt werden Akzente mit dunkleren Stoffen oder mit Gold und Silber gesetzt. Schrille Töne sind nicht zu finden.

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Ebenso anmutig und edel wie die Farben sind auch die Stoffe. Samt und Seide, aber auch Satin und altweiße Spitze sind charakteristisch. Auch Gehäkeltes und Gestricktes kann stilvoll auf dem Tisch und auf Sofas und Sesseln drapiert und präsentiert werden. Einzelne Akzente werden mit Tüll und Rüschen gesetzt. Auch natürliche Materialien wie Leder, weiche Baumwolle und Leinen sind im Shabby Style präsent. Drucke aus dem 18. und 19. Jahrhundert halten wieder Einzug in das Wohnen von heute. Es sind vor allem Paisley-Muster sowie zarte florale Designs, die die Stoffe zieren. Alle Rosenliebhaber werden sich freuen, denn die floralen Designs werden von Rosen in unterschiedlichen Größen und Farben bestimmt. Ebenso beliebt sind Muster aus Flora und Fauna, unter denen sich auch Tiermotive und insbesondere Vogelmotive finden. Wer es weniger verspielt mag und klarere Formen favorisiert, darf auch auf pastellige und ausgewaschene Ornamente und Blockstreifen oder auf Karos und Punkte ausweichen.

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Wichtig über alle Maßen ist Patina in jeder Form – ob auf Holz, Messing oder Nickel – ob künstlich oder über Jahre natürlich entstanden – die Patina sorgt für den richtigen Used-Look.

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Möbel im Landhausstil sind oftmals weiß, sodass sie die Anforderungen an Shabby Chic ohne große Veränderungen erfüllen. Einen einheitlichen und konsequent in allen Räumen eingehaltenen Stil kennt der Look ohnehin nicht. Stattdessen wechselt sich Antikes, dessen Farbpalette von hellem bis zu dunklem Holz reicht, mit Stücken im Landhausstil ab.

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Holz mit Altersspuren und Patina in allen Schattierungen und auf alt getrimmte, weiß lackierte Möbel im Landhausstil werden mit entsprechenden Wohnaccessoires belebt. Auch hier tritt das Neue in den Hintergrund zugunsten von mattem und abgegriffenem Metall, von graviertem Kristallglas und blindem Spiegelglas. Einen antiquierten Look haben auch das wieder entdeckte Bauernsilber und das antike Porzellan, das in Bauernschränken und Vitrinen seinen Platz findet. Möbel mit dem besonderen Vintage-Feeling sind lebendig, und so werden alle nur denkbaren Plätze dazu verwendet, um Accessoires aufzustellen oder Wände damit zu dekorieren.

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Auch die Wohnaccessoires sind natürlichen Ursprungs. Und so zieren oftmals Muscheln und Federn sowie Gebilde aus Treibholz oder Weidengeflecht die Wohnräume von Liebhabern des so angesagten Stils.

Shabby Chic von der Kommode bis zur Vitrine

Shabby Chic Möbel passen vor allem zu denjenigen, die Wert auf Originalität legen und Spaß daran haben, Passendes mit langem Atem zu suchen oder selbst aufzuarbeiten. Das kann insbesondere dann zu einem tollen Hobby werden, wenn man ebenso die Wohnaccessoires selbst kreiert. Der Shabby Chic ist ein Stil mit Ecken und Kanten, der ganz unterschiedlichen Bedürfnissen nachkommen kann. Er kann verspielt sein und verträumt, aber auch sehr elegant, und aufgrund der Naturmaterialien auch sehr bodenständig. Der Look lässt bei der Wahl der Möbelstücke aber oft freie Hand. Es sind vor allem Einzelstücke, die beim Händler oder im Internet angeboten werden und keine Wohnzimmer- oder Schlafzimmereinrichtungen im Gesamtpaket.

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Da gibt es die im Used-Look gestylte Sitzbank mit Stauraum oder die aufwändig gestaltete Vitrine, ein Sideboard oder Hochboard, Kommoden in unterschiedlichen Größen, Farben und Formen und mit unterschiedlichen Materialien oder auch Kleiderschränke und Regale.

Das beweist: Der Shabby Chic ist nicht einfach ein Einrichtungsstil, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls, das sich vom Massentrend wegbewegt und die Sehnsucht nach mehr Individualität, Kreativität und nach mehr persönlicher Entwicklung erfüllt.