Moebelstile im Ueberblick
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Möbelstile im Überblick

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Was genau kennzeichnet Möbel der Gründerzeit? Wie erkennt man Einrichtungsgegenstände des Biedermeier? Was charakterisiert Jugendstilmöbel? Nicht immer ist es einfach, hochwertige Antikmöbel den jeweiligen Epochen zuzuordnen. Doch man muss kein Kunsthistoriker zu sein, um hier den Überblick zu bekommen, es reicht, wenn Sie diesen Artikel lesen. Wir stellen Ihnen die schönsten Möbelstile vor und erklären Ihnen, wie Sie die Stücke der jeweiligen Epoche erkennen und zuordnen können.

Die schönsten Möbelstile – die anspruchsvolle Kombination edler Stilmöbel

Die Einordnung verschiedener Stilmöbel in eine bestimmte Stilepoche ist nicht immer einfach. Die Übergänge der Möbelstile sind teilweise fließend, sodass selbst Spezialisten die Stilmöbel nicht immer auf den ersten Blick einer bestimmten Epoche zuordnen können. Wenn sich schon Spezialisten schwertun, antike Möbelstücke eindeutig zu klassifizieren, wie soll das dann einem Möbelliebhaber gelingen, der sein Haus oder seine Wohnung in einem bestimmten Möbelstil einrichten möchte? Ratgeberbücher enthalten zwar wichtige Informationen zu den verschiedenen Stilmöbeln, können aber gerade Laien verwirren und die Einordnung noch schwieriger gestalten.

Gruenderzeit Weichholz Buffetschrank Landhausmoebel

Der Kauf von Möbeln und ihre gekonnte Kombination erfordert aber ein gewisses Vorwissen. Denn antike Möbel entfalten ihren Charme meist erst dann vollumfänglich, wenn sie mit Möbelstücken aus derselben Stilepoche ergänzt werden. Nur so lässt sich ein harmonisches Wohnkonzept realisieren. Damit Ihnen die Auswahl beim Möbelkauf leichter fällt, geben wir Ihnen im Folgenden einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Möbelstile von der Antike bis zur Gegenwart.

Der Beginn der Stilmöbel – antike Möbel in ägyptischen Gräbern

Die Funde aus ägyptischen Gräbern aus dem Jahr 2.000 v. Chr. zeigen, dass Pharaonen Holzmöbel in ihr Grab gelegt wurden. Diese kostbaren Grabbeilagen sollten die wichtigsten und angesehensten Personen der Gesellschaft nach ihrem Tod ins Jenseits begleiten und dort ihren Reichtum aus ihren Lebzeiten aufrechterhalten. Meist bekamen die Pharaonen hölzerne Truhen oder Sessel, aber auch Nackenstützen oder Betten mit in ihre Grabkammer. Die Möbel waren oft aufwendig mit Flechtwerken und Einlegearbeiten verziert.

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Über einen langen Zeitraum waren prunkvolle Möbel nur Kaisern, Königen und ihrem Gefolge vorbehalten. Bis zur Renaissance erfüllten die Möbelstücke für die breite Bevölkerungsschicht lediglich einen praktischen Nutzen und waren in ihrer Optik auf das Nötigste beschränkt. Betten und hölzerne Bänke waren zudem oft fest mit dem Boden verbunden, weshalb sie der Definition nach nicht als Möbel („mobil“) bezeichnet werden konnten.

Die mittelalterliche Gotik

Die Gotik prägte die Einrichtung der Jahre 1100 bis 1500. Diese Epoche löste die Romantik ab. Charakteristisch für den Möbelstil der Gotik sind feine und weniger massive Elemente, die mit bemalten, geschnitzten oder durchbrochenen Flächen verziert wurden. Hölzerne Klostertische, Betschemel und Sitzmöbel jener Epoche waren erstaunlich komfortabel und raffiniert. Formschöne Schränke wurden erstmalig mit Schubladen ausgestattet, Stühle erhielten Rücken- und Armlehnen und klassische Tische konnten durch herausklappbare Platten zu Schreibtischen umfunktioniert werden. Allerdings findet man echte Möbel aus diesen Stilepochen heute nur sehr selten. Doch wer ein Fan der gotischen Ästhetik ist, findet heute zahlreiche Repliken und Möbelstücke, die gekonnt typische Elemente wie Faltwerk, Rankenschnitzereien, Spitzbogen und Krabbenformen aufgreifen.

Klostertisch Maria Laach aus recyceltem Teakholz

Renaissance – die Wiederentdeckung der Antike

Die Renaissance begann in Italien im 15. Jahrhundert. Von dort aus breitete sie sich wenig später durch ganz Europa aus und prägte die Inneneinrichtung im 16. Jahrhundert maßgeblich. Der Möbelstil zeichnet sich durch die Wiederverwendung von Stilmotiven aus, die bereits in der Antike verwendet wurden und von den Künsteln und Tischlern jener Tage wiederentdeckt wurden. Hierzu zählten hauptsächlich antike Figuren und Säulen, Nischen- und Gebälkformen. Üppige Schnitzereien, groß dimensionierte Sockel und aufwendige Einlegearbeiten sind charakteristisch für diesen Möbelstil. Besonders gerne arbeiteten die Tischler jener Zeit mit Nussbaumholz und Leder in Kombination mit dem Holz.

Geschnitzte Couch in der Renaissance
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Barock und Rokoko – üppig Ornamentik

Zum Ende des 17. Jahrhunderts setzte sich der Barock durch, eine Stilform, die eigentlich auf einem Schmähwort basiert (Barocco bedeutet auf Italienisch „schief und rund“). Ihn definierten schwungvolle Formen. Typisch für den Stil waren Kugelfüße, profilierte Deckplatten und Sockelleisten, die von höchster Handwerkskunst zeugen. Das Innere der Stilmöbel offenbart allerdings häufig eine gewisse Grobheit der Verarbeitung. Begriffe wie sägerau und waldsäumig beschreiben, dass das Holz hier weitestgehend in seiner ursprünglichen Form belassen wurde und ungeschliffen verarbeitet wurde. Dies korrigierte das Rokoko mit feuervergoldeten Zierbeschlägen, die dem Schutz der Kanten und dem ästhetischen Aussehen dienten. Die stärker auf die Optik bedachte Stilepoche brachte weiterhin muschelförmige Schnitzereien hervor, die unter dem Namen „Rocailles“ noch heute bekannt sind.

Barocke Luxus-Suite
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Biedermeier – schlicht und gradlinig

Der frühe Klassizismus ging mit einer endgültigen Abkehr von den schwungvollen Formen des Barocks einher. Der Stil war geprägt von betont geradlinigen Formen, die sich bewusst von vergangenen Epochen distanzierten. Ahornhölzer und halbkugelige Füße dominierten das Bild und wurden abgerundet durch stilistische Palmenblätter und feine Einlegearbeiten. Um 1815 begann die Epoche des Biedermeiers. Hier stand das Holz selbst im Vordergrund: So wurden bei Stilmöbeln des Biedermeiers gezielt und mit großer Raffinesse die Maserung als Element der Gestaltung eingesetzt. Die klare Formgebung, die für den Klassizismus typisch ist, wurden in dem Möbelstil des Biedermeiers übernommen und weiterentwickelt.

Biedermeier Truhe Weichholz Vintage Kiste Weichholz Moebel

Gründerzeit – repräsentative Möbel für das aufstrebende Bürgertum

Die Gründerzeit ist eine vergleichsweise kurze Epoche, sie erstreckte sich über den Zeitraum von 1860 bis 1895. Sie war geprägt von einer Bandbreite an Stilen, die unter Begriffen wie Neogotik und Neobarock den Glanz vergangener Epochen wiederbelebten und umdachten. Die Möbelstile wurden zudem gerne miteinander kombiniert. Kommoden, Buffetschränke, Tische und Stühle wurden in jener Epoche aufwendig ausgestaltet und befriedigten das Bedürfnis des aufstrebenden Bürgertums nach repräsentativen Möbeln. Typische Gestaltungselemente dieser Zeit sind Kapitelle, Säulen und Reliefs.

Gruenderzeit Regal aus Weichholz

Jugendstil – natürliche Formsprache

Ende des 19. Jahrhunderts kam der Jugendstil mit seinen asymmetrischen Ornamenten und geschwungenen Linien auf. Veredelt wurden die Möbel durch Blumen und Ranken, was der Wertschätzung des Handwerks in dieser Zeit Rechnung trug. Die Möbelgestaltung der Epoche hatte es zum Ziel, eine sehr harmonische Formgebung zu realisieren. Die Stücke dieser Epoche sind gekennzeichnet durch eine sehr sinnliche, feminine Formsprache, die sich an natürlichen Vorbildern orientiert.

Jugendstil Vertiko Weichholz

Die schönsten Möbelstile – der Glanz antiker Stilmöbel

Egal, für welchen Möbelstil Sie sich begeistern, Sie müssen heute nicht mehr umständlich auf Floh- und Antikmärkten nach Möbelstücken der bevorzugten Epoche suchen. Denn Stilmöbel der unterschiedlichen Epochen können heute auch als nachgebaute Möbel erstanden werden. Fachkundige Tischler greifen aber auch gerne einzelne Elemente auf und bauen sie ein oder interpretieren sie neu. Diese Kreationen verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart und sind eine Hommage an die Einflüsse, die die Geschichte Europas geprägt haben.