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Wohnen im Industrial Style

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Hier ist es die Farbe, die schon ein wenig abzublättern scheint, dort das Metall, das übermäßig Patina zeigt. Und all das inmitten rustikaler Holzmöbel, die ganz in ihrer Natürlichkeit belassen den einen oder anderen Makel aufweisen. Keine Frage, der Industrial Style lebt und belebt. Vielleicht ist es seine Verwandtschaft zum Shabby Chic und Vintage, vielleicht aber auch „nur“ seine Ursprünglichkeit, die jedem Raum Persönlichkeit verleiht – nämlich den Charakter des unperfekten Schönen, der anzieht und begeistert.

Als historische Fabrikgebäude zu Wohnungen umfunktioniert wurden…

Obwohl sich der Industrial Style buchstäblich an den Wurzeln orientiert, handelt es sich dabei um einen relativ jungen Wohnstil. Zu längst vergangenen Zeiten war er natürlich gar keine Stilrichtung in heutigem Sinne und niemand konnte sich auch nur ansatzweise vorstellen, dass es einen solchen Einrichtungsstil tatsächlich einmal geben würde.

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Dies verwundert nicht, schließlich hatte nun wahrlich niemand Interesse daran, das Eigenheim an die Örtlichkeit anzupassen, an der man tagein tagaus schwer schuftete, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

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Heute stehen den Menschen vielfältige, ausgesprochen abwechslungsreiche Berufswege offen, sodass es selbstverständlich leichter fällt, sich bei der Gestaltung der privaten vier Wände am speziellen Arbeitsambiente der (frühen) Industrialisierung zu orientieren, an öligen, nach Eisen und altem Holz riechenden Werksgebäuden.

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Erst mit dem Umbau historischer Fabrikhallen zu Wohnungen zogen die offene Architektur, das Harte, Verlebte, die rauen Metallgegenstände und die besondere Ästhetik des Unperfekten in das, was wir Zuhause nennen, in diesen Raum, in dem wir uns rundum wohlfühlen wollen.

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Das Bestreben gelingt – auch beziehungsweise gerade mit einer Einrichtung im trendigen Industriestil.

vintage-kommode-werkbank-industrie-industrial-styleWie uns der Industriestil zurück zum Wesentlichen führt…

Der Industriestil ist also rau und hart, unperfekt, ja geradezu unfertig wirkend.

Doch wie kommt dieses Charakterbild eigentlich zustande? Wodurch zeichnet sich der Stil konkret aus?

Loft Style

Es gibt einen guten Grund dafür, dass der Industriestil mitunter auch als Loft Style bezeichnet wird. Fabrikgebäude waren weitläufig und großzügig. In diesem Sinne forciert die Stilrichtung eine möglichst offene Gestaltung der Räumlichkeiten.

Am besten lässt sich das Merkmal logischerweise in Zimmern mit hohen Wänden realisieren. Doch auch in niedrig gebauten Räumen ist man nicht vollkommen chancenlos, wenn man dem Motto „weniger ist mehr“ folgt. Ein paar auserwählte Möbel im Industriedesign – sinnvoll platziert – erzeugen zumindest einen Hauch des befreiend anmutenden Loft Styles.

„Verbrauchte“ Materialien

Bei der Gestaltung von Einrichtungsartikeln im Industrial Style spielt die Art der Materialien eine große Rolle. Diese sind hauptverantwortlich für den einzigartigen, unverwechselbaren Stil.

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Um den Werkhallenstyle zu transportieren, werden antike Industriemöbel gerne aus unbehandeltem Altholz hergestellt, wie etwa der Industrietisch Vintage 300 zeigt, der aus einer alten Industriewerkstatt stammt und vollständig restauriert wurde, ohne dabei seinen „verbrauchten“ Look zu verlieren. Das Modell besteht aus warmem Holz und kühlem Metall – womit wir bereits beim nächsten bedeutsamen Material des Industriestils angelangt wären.

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Denn die Verarbeitung von kunstvollen Gusseisengestellen, Metall- und Stahlelementen bildet ebenso einen wesentlichen Teil der Stilrichtung.

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Darüber hinaus finden auch gerne raues Leder und abgenutzte Samtbezüge Anwendung.

Erdige Töne

Was die Farben betrifft, präsentiert sich der Industriestil vornehmlich in gedeckten und erdigen Tönen, die wie die Materialien zur rustikalen Erscheinung der Möbelstücke beitragen.

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Insofern bekommt man Industriemöbel in aller Regel in hellen und dunklen Braunnuancen sowie in Rostrot und Orange zu Gesicht. Darüber hinaus ist es aber erlaubt und sogar erwünscht, Pastelltöne in Rosé, Grün oder Blau sowie auch den einen oder anderen kräftigen Eyecatcher zu integrieren. So erzeugt etwa eine originale Industrielampe in bläulicher oder rötlicher Farbgebung einen auffälligen, aber dennoch harmonischen Farbtupfer.

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Nur keine Scheu: Wer das an und für sich raue Flair hier und da um starke Farben ergänzt, geht über Grenzen, beweist allerdings auch die Fähigkeit, altehrwürdigen Charme mit lebendiger Modernität zu verknüpfen – vorausgesetzt, die bunten Extras nehmen nicht Überhand und passen zur Einrichtung.

Unvollkommen, grob, angeranzt – und doch so unglaublich gemütlich…

Alles in allem haben Industrial Möbel und in entsprechendem Design gefertigte Accessoires also eines durchweg gemeinsam: Einzigartigkeit. Vordergründig werden unbehandelte Holzstücke in Kombination mit abgenutzten Metall- und Stahlelementen zu individuellen – den Glanz der Natürlichkeit preisenden – Kunstwerken verarbeitet.

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Variantenreichtum offenbart der Industriestil hinsichtlich der Formen und Größen der einzelnen Produkte, die vieles sind, vor allem aber gewollt unvollkommen, um das Feeling einer alten Werkhalle zu erwirken, ohne dabei die Notwendigkeit einer Gemütlichkeit ausstrahlenden Einrichtung zu vernachlässigen – ganz im Gegenteil: Die groben Materialien und kühlen Designs sollen – so verlangt es die Stilrichtung – durch warme, weiche Elemente gewissermaßen ausgeglichen werden.

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Textilien wie Kissen und Teppiche sind ebenso gern gesehen wie persönliche Gegenstände, etwa Fotos, Poster, Gemälde und Pflanzen. Wem es gelingt, eine perfekte Mischung aus Rauem und Zartem zu erschaffen, genießt die Vervollkommnung aus Industrial Chic und Gemütlichkeit.

Ganz oder gar nicht? Oder nur ein bisschen?

Viele Menschen, die über die Einbettung des Industriestils in ihr Eigenheim nachdenken, stehen vor einer (vermeintlich) entscheidenden Frage: Funktioniert der Industrial Style nur ganz? Oder lassen sich einzelne Industrial Möbel auch in grundsätzlich anders geartete Einrichtungsstile integrieren? Nein und ja. Es ist durchaus möglich, den privaten Räumlichkeiten eine industrielle Note zu verleihen, ohne sie zur Gänze in das rustikale Gewand stecken zu müssen.

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Durch den intensiven Einsatz von Holz harmonieren im „rohen“ Industriedesign konzipierte Artikel nachvollziehbarerweise sehr gut mit dem Landhausstil – Letzterem eine etwas wildere Komponente hinzufügend. Des Weiteren spricht nichts dagegen, einer sehr modernen Einrichtung eine Prise Urigkeit entgegenzustellen.

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Dabei sollte man allerdings auf Ausgeglichenheit achten – also industrielle Elemente gezielt mit neuzeitlichen Möbeln zusammenführen, sodass sie miteinander wirken und sich bei der Entfaltung ihrer jeweiligen – ausstrahlungsbezogenen – Fähigkeiten nicht gegenseitig in die Quere kommen.

Und dann offenbart er auch noch einen Hauch Eleganz…

Nach den bisherigen Beschreibungen mag es den einen oder anderen Leser verwundern, doch der harte Industriestil präsentiert sich dann und wann auch in Eleganz gehüllt, wie etwa der Industrietisch 75 und der dazu passende Sitzhocker 30 zeigen.

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Beide bestehen aus den für den Style typischen Materialien, fallen aber zusätzlich durch ihre geschwungenen Beine auf. Nicht minder elegant erscheint die Industrielampe Dakota in Antiksilber, obwohl sie aus starkem Metall gefertigt ist.

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Wie viel Stil ist Style?

Der Industrial Style ist weit entfernt vom Perfektionismus des Landhaus- oder Kolonialstils. Er distanziert sich bewusst von normierten Standardmöbeln, makellosen Kunstoberflächen und bis zur Unkenntlichkeit verarbeiteten Materialien. Stattdessen setzt er auf natürliche Werkstoffe, deren Unverfälschtheit einen besonderen Charme auf die Wohnräume überträgt.

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Verlebtes Holz und rostige Metallstücke dominieren die Einrichtung – umgeben von rohen Wänden und Betonaccessoires. Nicht zu vergessen die rustikalen Möbel im Industriedesign, die einzigartig prägend sind für jede Einrichtung.

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In unserer modernen, schnelllebigen und dem Perfektionszwang unterliegenden Zeit nimmt der Industriestil so etwas wie eine „Beschützerrolle“ ein. Er erinnert den Menschen an seine Ursprünge und zeigt ihm auf anschauliche Art und Weise, dass auch oder gerade im Unperfekten wahre Schönheit liegt. Und genau das ist es, was den Stil heutzutage zurecht so unwahrscheinlich beliebt macht.