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Landhausgarten gestalten

Bereiche, Beete und Sitzplätze richtig planen

Einen Landhausgarten gestalten heißt: sich auf eine Haltung einlassen, bevor der Spaten angesetzt wird. Üppigkeit statt Strenge, Bereiche statt Sichtachsen, Sitzplätze statt Staffage – diese Prinzipien tragen den Garten im Landhausstil seit Generationen. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Schritt für Schritt einen Landhausgarten gestalten: mit Pflanzen, Plätzen und Proportionen, die miteinander in Beziehung stehen.

Was einen Landhausgarten ausmacht

Ein Landhausgarten ist ein üppig bepflanzter, bewusst verspielter Garten nach ländlichem Vorbild: Stauden, Rosen, Beerensträucher und Obstbäume stehen eng beieinander, durchgehende Sichtachsen fehlen, kleine Plätze und Übergänge gliedern die Fläche. Vom formalen Garten unterscheidet er sich durch seine Lebendigkeit, vom reinen Nutzgarten durch die bewusste Gestaltung der Atmosphäre.

Wer den eigenen Landhausgarten gestalten möchte, steht vor einer stilistischen Entscheidung. Der englische Cottage-Garten setzt auf romantische Fülle und schmiegt sich eng ans Haus. Der französische oder mediterrane Landhausgarten arbeitet mit klareren Beetkanten, Lavendel und Obstbäumen. Der nordeuropäische Bauerngarten ist nützlicher geprägt: Gemüsebeete, Kräuterspiralen, Zaunrosen und ein insgesamt stärker alltagsnaher, nutzorientierter Charakter. Als Orientierung lohnen der Magazinartikel „Cottage-Garten anlegen“ und der Beitrag „Bauerngarten anlegen“.

Der gemeinsame Nenner aller Varianten: Ein Landhausgarten ist bewusst nicht fertig. Er lebt davon, dass sich Pflanzen selbst aussäen, dass sich eine Staude an einen Ort ausbreitet, für den sie ursprünglich nicht vorgesehen war, dass eine Gartenbank mit der Zeit die Farbe verliert. Perfektionismus ist in dieser Stilwelt ein Stilbruch.

Cottage-Garten im Landhausstil mit üppigem Staudenbeet, Rosenbogen und verschlungenem Kiesweg

Bereiche statt Sichtachsen – den Landhausgarten gestalten

Die wichtigste Entscheidung betrifft die Gliederung der Fläche. Ein klassischer Landhausgarten kennt keine durchgehende Sichtachse – ausgenommen der Weg vom Tor zum Haus. Stattdessen entstehen Bereiche, die nacheinander entdeckt werden wollen: ein Staudenbeet hier, ein Nutzgarten dort, ein Sitzplatz hinter der Kurve.

Natursteinwege, lose verlegte Trittplatten oder gebundener Kies führen verschlungen durch die Fläche, ihre Ränder sind bepflanzt und dürfen überwuchern. Kleine Übergänge – ein Rosenbogen, ein Holzzaun, eine Buchsbaumgruppe – trennen die Zonen, ohne sie abzuriegeln. Wer nicht nur gestalten, sondern zunächst die Anlage des Gartens planen möchte, findet die Schritt-für-Schritt-Grundlagen im Ratgeber „Landhausgarten anlegen“.

Baumbank Halbkreis NARVI aus pulverbeschichtetem Metall in Rost-Optik um einen alten Apfelbaum im Landhausgarten

Üppige Bepflanzung: Stauden, Rosen, Obst und Beeren

Die Bepflanzung ist das Herzstück. Wer die Beete im Landhausstil gestalten möchte, arbeitet mit Höhenstaffelung: niedrige Polsterstauden wie Frauenmantel, Storchschnabel oder Katzenminze vorn, mittelhohe Pfingstrosen und Phlox dahinter, hohe Akzente wie Rittersporn, Lupinen und Stockrosen im Hintergrund. Dauerblüher wechseln sich mit Zwiebelpflanzen ab, sodass vom Frühjahr bis in den Oktober immer etwas blüht.

Rosen sind die stille Hauptfigur des Landhausgartens: Kletterrosen an Pergola und Hauswand, Beetrosen in den Staudenflächen, duftende Strauchrosen als Solitäre. Dazu Obstbäume in schlanken Sorten – Apfel, Birne, Quitte – und Beerensträucher wie Johannisbeere, Stachelbeere und Himbeere. Kräuter, die traditionell in den Bauerngarten gehören – Salbei, Thymian, Rosmarin – ergänzen die Zierpflanzen und verschwimmen bewusst mit ihnen.

Ein bewährtes Farbprinzip ist die Trias aus Weiß, Rosa und Blau-Violett: weißer Storchschnabel, rosa Pfingstrose, blauer Rittersporn. Wer kräftigere Töne liebt, bringt Orange (Taglilie, Kapuzinerkresse) und tiefes Rot (Mohn, Strauchrose) dazu. Gelbe Akzente wie Sonnenhut oder Goldfelberich setzen im Hochsommer leuchtende Akzente.

Üppige Beetkante im Landhausgarten mit Frauenmantel, Storchschnabel, Pfingstrose und Rittersporn in Höhenstaffelung

Sitzplätze, Terrasse und Pavillon – Plätze zum Verweilen gestalten

Ein bewusst gestalteter Landhausgarten kennt mindestens zwei Sitzplätze: einen am Haus, meist auf der Terrasse, und einen versteckten im Garten – an einem Teich, unter einem Obstbaum oder in einem Pavillon. Diese Zweiteilung hat einen praktischen Grund. Der erste Platz ist der Gartentisch für Frühstück und Abendessen, der zweite ist Rückzug und Entdeckung.

Antike Teak Lounge Bank 198 cm aus Indonesien als Frühstücksplatz auf der Landhaus-Terrasse

Dazu passen massive, witterungsbeständige Hölzer. Gartenmöbel im Landhausstil aus Eiche, Akazie oder Teak gewinnen durch ihre natürliche Patina mit den Jahren an Charakter. Eine Bank am Weg lädt zum spontanen Verweilen ein, ein langer Tisch auf der Terrasse trägt die größeren Runden. Wie Sie die Terrasse selbst gestalten – Bodenbelag, Bedachung, Umrahmung durch Pflanzen – vertieft der Magazinartikel „Landhausterrasse gestalten“.

Teak Gartenstuhl Hochlehner mit Armlehnen an einem Eukalyptus-Klapptisch auf der Veranda im Landhausgarten

Ein Pavillon ist oft das Lieblingsprojekt im Gartenjahr. Ob als offener Holzpavillon mit Rankgerüst, überdachte Pergola oder geschlossenes Gartenhaus – er schafft einen Raum im Raum. Kletterrosen, Clematis oder Wilder Wein begrünen die Konstruktion binnen weniger Jahre. Gestalten Sie ihn so, dass ein Regenschauer kein Grund ist, den Garten zu verlassen.

Hängesessel TOBAGO mit Beige-Kissen in einem mit Clematis und Kletterrosen bewachsenen Holzpavillon

Dekoration, die den Ton trifft

Die Dekoration eines Landhausgartens lebt von einer einfachen Regel: Sie darf gebraucht wirken, nicht glitzern. Ein originelles Vogelhaus am Pfosten, eine bepflanzte Zinkwanne am Wegrand, Windlichter auf dem Tisch, Lichterketten in den Zweigen der Obstbäume – all das ordnet sich der Pflanzenfülle unter, ohne sie zu dominieren. Textilien dürfen Muster zeigen: rot-weiße Karos, blau-weiße Streifen, gedeckte Leinenstoffe.

Mischen Sie gezielt: ein alter Emailletopf als Pflanzgefäß, ein Terrakotta-Übertopf daneben, ein handgefertigter Holzstuhl für den Garten neben einer schlichten Metallbank. Wer die Dekoebene bewusst gestalten möchte, findet konkrete Anregungen im Beitrag „Gartendeko im Landhausstil“. Wer den Landhausgarten ganzheitlich gestalten will, entdeckt im Magazinartikel „Garten-Ideen für den Landhausstil“ den breiteren stilistischen Rahmen.

Mit der Dämmerung übernimmt das Licht. Statt heller Flächenstrahler wirken warme, punktuelle Quellen: Windlichter auf dem Tisch, Solarlämpchen entlang der Wege, Lichterketten in den Bäumen. Ein einzelner, auf eine schöne Baumsilhouette gerichteter Strahler setzt den Garten am Abend völlig neu in Szene.

Gedeckte Abendtafel im Landhausgarten mit Windlichtern, Lichterketten, Leinen-Tischdecke und bepflanzter Zinkwanne in der Dämmerung