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Der Kolonialstil

« Einrichten mit einem Hauch von Fernweh »

Der Mount Vernon in Virginia ist der ehemalige Landsitz des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington. Er und das White House als Regierungssitz des amerikanischen Präsidenten sind sichtbare Zeichen der für den Kolonialstil typischen klassizistischen Architektur. Seinen Ursprung hat dieser Bau- und Einrichtungsstil in den ehemaligen europäischen Kolonien in Übersee. Welche Formen, Materialien und Farben prägen ihn und warum ist er bis heute so beliebt? Wir gehen der Einrichtung mit gewissem Fernwehfaktor auf den Grund.

Was bedeutet kolonial?

Wenn im Zusammenhang mit dem Kolonialstil von den ehemaligen Besitzungen der Europäer in Übersee die Rede ist, sind insbesondere die europäischen Kolonien in Nord-, Süd- und Mittelamerika gemeint. Bedeutung erlangte der exotisch vertraute Stil vom 17. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Er vereinigte zeitgenössische Architekturmotive, und hier insbesondere des Klassizismus, mit den landestypischen Besonderheiten.

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Davon abzugrenzen ist die Bauweise der Gebäude, die die Spanier und Portugiesen vorwiegend in Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik errichteten. Sie stammten vorwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert und wiesen die Züge des reinen Barock oder der strengen Renaissance auf.

Entstehung und Ursprung

Der als Kolonialstil bezeichnete Einrichtungsstil bezieht sich im Wesentlichen auf die Ende des 15. Jahrhunderts beginnende Kolonialisierung durch europäische Seemächte. Es waren Portugal und später Frankreich, die Niederlande und England, die im 16. und 17. Jahrhundert den gesamten indischen Subkontinent beherrschten. Ebenfalls im 15. Jahrhundert war es Columbus, der durch die Entdeckung Amerikas die spanische Kolonialisierung Mittel- und Südamerikas auslöste.

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In Kriegen zerstörte Gebäude und neue Gebäude wurden im Stil der heimatlichen Renaissance des jeweiligen Landes erbaut, wobei die Stilelemente der jeweiligen Ethnien mit einflossen. Es waren vor allem die Besitztümer vermögender Händler und Plantagenbesitzer, die Gebäuden und Möbeln typisch bauliche Merkmale der Zeit und des Ortes verliehen.

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Auch wenn der Baustil klassizistisch blieb, wurde anstelle von Marmor für Pfeiler und Säulen nun beispielsweise Holz verwendet. Dennoch hielt man an antiken Eingangshallen fest, wie sie beispielsweise von Landsitzen des englischen Landadels bekannt sind.

Die Kolonialzeit und ihre prägenden baulichen Elemente

Der Begriff „kolonial“ ist aufgrund des Einflusses vieler Kulturen ein dehnbarer und der dazugehörige Stil ist weder homogen noch eine eigenständige stilistische Epoche.

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Die Übergänge von Kolonialmöbel zu Kolonialmöbel und von Kolonialhaus zu Kolonialhaus sind fließend. Es waren vor allem Spanier, Portugiesen, Holländer, Briten, Franzosen und zu einem geringen Anteil auch die Deutschen, die Kolonien in nahezu allen Kontinenten der Erde unterhielten.

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Die Kolonialisten brachten ihre eigene, aus der Heimat bekannte Architektur und ihre Wohnbedürfnisse ein und mischten sie mit den Bau- und Wohnstilen der einheimischen Bevölkerung unter Anpassung an die lokalen klimatischen Bedingungen. Trotz dieser Vielfalt gibt es einige typische Merkmale beziehungsweise bauliche Elemente, die prägend für die Bauweise in der Kolonialzeit sind. Zu ihren architektonischen Merkmalen und Höhepunkten gehören große Räume mit hohen Decken. Ohnehin handelte es sich um eine sehr großzügige Architektur, auch bedingt durch die Säulenarchitektur, mit großflächigen Balkonen und Terrassen.

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Die Fronten waren offen und regelmäßig nicht verglast, die Räume luftig und lichtdurchflutet. Dunkles Holz dominierte und hob sich von den vorwiegend weißen Wandflächen ab. Exotischer wurde es dann, wenn sich der europäische Baustil mit den Stilrichtungen in Übersee mischte.

Die verwendeten Materialien, Farben und Muster

Die Inneneinrichtung des Kolonialstils wird von Naturmaterialien und dunklen Hölzern bestimmt. Auch Edelhölzer wie Teak und Mahagoni kommen für die Fertigung der Massivholzmöbel zum Einsatz. Tropische Harthölzer wie Mango, Palisander, Akazie und Sheesham sind gleichermaßen keine Seltenheit. Heute kennzeichnend für alle Kolonialmöbel ist der dunkle Farbton des Holzes, der durch Beizen bewusst erzielt wird. Nach epochalem Vorbild sind die meisten Möbel mit dekorativen Elementen versehen, die geschnitzt oder gedrechselt wurden.

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Der typische Kolonial Stuhl oder Polstermöbel wirken mit Lederbezug, während anderes Mobiliar mit schmiedeeisernen Beschlägen begeistert. Weiße Wände schwächen das Volumen der meist wuchtig wirkenden Massivholzmöbel. Das gilt auch für die passenden Wohntextilien, die durchaus bunt und gemustert sein dürfen. Zum schmückenden exotischen Beiwerk gehören Naturmaterialien wie Seide, Bambus, Baumwolle, Sisal oder Kokosfasern aus denen Dekorationsobjekte hergestellt werden. Ansonsten sind Farben und Mustern keine Grenzen gesetzt. Es darf richtig farbenfroh werden, wobei warme Farbtöne wie Rot, Gelb und Orange die dunkle Farbe massiver Kolonialmöbel wunderbar kontrastieren.

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Dezenter sind Schattierungen, die von Beige über Gelb bis Terrakotta reichen. Diese Farben lassen den Raum insgesamt heller und freundlicher wirken. Möglich sind auch orientalische und asiatische Blütenmuster mit Kissen und Tischdecken im selben Muster. Sofern sie aus Seide gefertigt sind, unterstreichen sie wirkungsvoll den edlen Charakter aller Kolonialität.

Massivholzmöbel mit kolonialem Flair

Wer sich den Kolonialstil in die eigenen vier Wände holen möchte oder bereits geholt hat, sollte einige Gesetzmäßigkeiten beachten. Die schweren und dunklen Kolonialmöbel, beispielsweise ein Schrank oder ein Buffet, entfalten ihre volle Wirkung in größeren Räumen – idealerweise mit hoher Decke. In kleineren Räumen gilt weniger ist mehr, denn diese wirken sehr schnell überladen und zugestellt.

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Der Exot unter den Epochen wird von großen Esstischen mit Platz für zahlreiche Gäste begleitet. Auch vielfältige Schränke, Boards, Buffets oder Truhen zeugen von dieser Großzügigkeit.

Passende Wohnaccessoires und Dekorationen

Passende Wohnaccessoires und Dekorationen gehören zum Kolonialstil nicht nur einfach dazu, sondern lassen die Vielfalt unterschiedlicher Länder, Kulturen und Kontinente in den Wohnstil mit einfließen. Hier ist alles erlaubt, was mit den Kolonien in Verbindung steht. Das gilt für die Kulturen Südamerikas, Afrikas, Indiens und des pazifischen Raums. Auch hier werden vermehrt helle oder bunte Akzente als Gegenpol zu den dunklen Möbeln gesetzt.

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Tropische Gewächse wie Palmen oder blühende Pflanzen wie Orchideen und Jasmin setzen Kontraste und Lichtpunkte. Souvenirs aus aller Herren Länder sind ebenso erlaubt wie wandgroße Landkarten. Globen, alte Leder- und Metallkoffer und mit Metallbeschlägen versehene Truhen werten den Wohnstil optisch auf und beleben ihn. In diesem Ambiente können selbst Globetrotter sesshaft werden.

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Afrikanische Masken an der Wand, Schalen und andere Gefäße aus Holz auf dem Tisch, in einem Regal oder auf einer Kommode sowie edles Porzellan sind nur einige Beispiele für eine wirkungsvolle Dekoration. Als Dekorationselemente sind außerdem schwere Kronleuchter, vergoldete Spiegel, gusseiserne Kerzenständer, alte Lederkoffer und Paravents sowie nautische Gegenstände beliebt, wobei sich die Liste beliebig fortschreiben lässt.

Warum der Kolonialstil beliebt ist und bleibt

Für die Popularität der Kolonialmöbel gibt es viele Gründe. Paradox an Ihrer Beliebtheit scheint allerdings besonders das Zusammenspiel einer Erscheinung voller Fernweh zu sein, mit der Menschen gerade das eigene Heim ausstatten möchten. Doch vielleicht liegt gerade darin der große Erfolg der massiven Kolonialmöbel begründet?